Tag Archiv für Spekulationsblase

Phänomen Immobilienblase: Ursachen und Folgen

Wenn die Immobilienpreise relativ stark oder über einen längeren Zeitraum hinweg steigen, werden meist auch Stimmen laut, die vor der Bildung einer Immobilienblase warnen. Wenn Sie selbst Immobilien besitzen, sollten Sie steigende Immobilienpreise deshalb immer auch zum Anlass nehmen, ihr Portfolio zu überprüfen. Bilden Sie sich kritisch eine Meinung darüber, ob Sie eventuell Immobilien verkaufen sollten, bevor die Preise möglicherweise einbrechen. Dabei ergibt sich allerdings das Problem, dass sich eine Blasenbildung praktisch nicht vorhersagen lässt. Denn erst wenn eine Blase an einem Immobilienmarkt offensichtlich platzt, ist klar, dass sich tatsächlich eine Blase gebildet hatte.

Was ist eine Immobilienblase?

Dies gilt übrigens nicht nur für Immobilien, sondern auch für Spekulationsblasen in allen anderen Märkten. Definieren lässt sich eine solche Spekulationsblase als eine deutliche Überbewertung der entsprechenden Güter, die sich innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraumes durch einen rasanten Verfall der Preise normalisiert. Dieser Preisverfall wird dann als „Platzen“ der Blase bezeichnet. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, im Vorfeld einigermaßen sicher zu beurteilen, ob sich in einem gestiegenen Preisniveau tatsächlich schon eine Überbewertung ausdrückt, oder ob die höheren Preise fundamental noch gerechtfertigt sind. Steigen beispielsweise in einem bestimmten Immobilienmarktsegment die Mieten, weil mehr Fläche nachgefragt als angeboten wird, dann erzielen Investoren mit ihren Immobilien auch höhere Erträge, was sich wiederum in steigenden Immobilienpreisen ausdrückt. Hierbei handelt es sich jedoch um einen fundamental begründeten Preisanstieg und nicht um eine Blasenbildung.

Fiskalinduzierte und Kreditinduzierte Immobilienblasen

Wird die Nachfrage – und in der Folge auch der Preisanstieg – jedoch allein oder zumindest in wesentlichen Teilen durch steuerliche Anreize stimuliert, kann es schnell zu einer Blasenbildung kommen. In diesem Fall wird von einer fiskalinduzierten Immobilienblase gesprochen. Ein typisches Beispiel für eine solche fiskalinduzierte Blase waren die zahlreichen Immobilieninvestitionen in den Bundesländern nach der Wiedervereinigung Deutschlands, die oftmals allein durch die Aussicht auf Steuervorteile motiviert waren, ohne dass die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit des Investments hinreichend geprüft wurde. Ein ähnlicher Effekt kann eintreten, wenn niedrige Kreditzinsen oder eine relativ großzügige Kreditvergabepraxis von Banken dazu führen, dass die Nachfrage nach Immobilien deutlich steigt und auch die Preise immer weiter nach oben treibt. Dieses Phänomen wird als kreditinduzierte Blasenbildung bezeichnet.

Fallen die jeweiligen Auslöser einer Blasenbildung weg, weil zum Beispiel steuerliche Anreize durch die Politik wieder beseitigt werden oder die Zinsen steigen, hat das meist einen enormen Preisverfall zur Folge, so dass die Blase platzt.

Bewertung des Preisanstiegs auf dem Immobilienmarkt

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Immobilien verkaufen oder noch weitere Preissteigerungen „mitnehmen“ sollten, empfiehlt es sich also, die Ursachen des Preisanstiegs etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Können Sie nicht genug fundamentale Gründe dafür erkennen und haben Sie den Verdacht, dass sich gerade eine kredit- oder fiskalinduzierte Blase bildet, dann sollten Sie handeln, ehe es zu spät ist und Sie keine angemessenen Verkaufserlöse mehr erzielen können. Denn wer zu spät handelt und beim Platzen einer Blase nicht mit Verlust verkaufen will, braucht in der Regel einen langen Atem, um eine spätere Markterholung abwarten zu können.